Rechts: Dr. David Briesenick, links: Peter S. Krause

Südwestmetall-Förderpreis für Dr. David Briesenick

23. April 2026

In seiner preisgekrönten Dissertation stellt Dr. David Briesenick ein neues, nachhaltiges Verfahren zur Umformung von höchstfesten Stahlblechen vor. Es kann zum Beispiel die Produktion tragender Strukturen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie energie- und ressourceneffizienter machen.

[Bild: Südwestmetall / Frank Eppler]

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat am 22. April 2026 acht junge Nachwuchswissenschaftler*innen der baden-württembergischen Landesuniversitäten ausgezeichnet. Prämiert wurden Dissertationen, die für die industrielle Arbeitswelt von besonderer Bedeutung sind. „Die Preisträger machen mit Ihren herausragenden Dissertationen die Forschungsleistungen an den baden-württembergischen Landesuniversitäten für uns unmittelbar und sehr vielfältig erlebbar“, sagte Peter S. Krause, Südwestmetall-Vorsitzender, im Rahmen der feierlichen Preisverleihung.

Unter den Preisträger*innen ist auch in diesem Jahr wieder ein Doktorand der Universität Stuttgart: Dr. David Briesenick erhält den mit 5.000 Euro dotierten Preis für seine herausragende Dissertation am Institut für Umformtechnik (IFU).

Rechts: Dr. David Briesenick, links: Peter S. Krause
Peter S. Krause (r.), Vorsitzender der Südwestmetall, überreicht Dr. David Briesenick (l.) den Südwestmetall Förderpreis.

„Zukunftsfähige Lösungen für die Industrie entstehen dort, wo innovative Technologien und Nachhaltigkeit zusammenkommen – ein Potenzial, das selbst in etablierten Disziplinen wie der Umformtechnik noch längst nicht ausgeschöpft ist. Das zeigt David Briesenicks Arbeit deutlich. Herzlichen Glückwunsch zum Südwestmetall-Förderpreis“, sagt Prof. Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart.

Gefragt, aber anspruchsvoll: Höchstfestes Stahlblech als Werkstoff

Der Einsatz sogenannter höchstfester Stahlbleche ermöglicht die Konstruktion extrem belastbarer und gleichzeitig gewichtsreduzierter Bauteile. Das macht höchstfeste Stahlbleche interessant als Werkstoff, etwa für tragende Strukturen in Autokarosserien oder für die Luft- und Raumfahrt. Um Stahlblech in die für den jeweiligen Einsatz erforderliche Form zu bringen, wird die sogenannte Umformtechnik eingesetzt. Das Stahlblech wird dabei mittels Umformwerkzeugen und gezielter Krafteinleitung umgeformt. „Höchstfeste Stahlbleche stellen dabei eine besondere Herausforderung für konventionelle Verfahren der Umformtechnik dar“, so Dr. David Briesenick. „Um sie zu bearbeiten werden hohe Kräfte oder zusätzliche Erwärmung – und damit Energie – benötigt. Zudem erfordert die Produktion von Bauteilen aus höchstfestem Stahl einen tendenziell höheren Materialeinsatz.“

Verformte Blechteile.
Dr. David Briesenick stellt in seiner Dissertation ein neues Verfahren zum Umformen von höchstfesten Stahlblechen vor.

Spart Energie, Material und Kosten: Neues Umformverfahren für höchstfestes Stahlblech

In seiner Dissertation entwickelte Dr. David Briesenick ein neuartiges Verfahren zum Umformen von höchstfesten Stahlblechen. „Das Tiefdrückverfahren ist eine Abwandlung des weitverbreiteten Tiefziehens“, so Briesenick. Beim klassischen Tiefziehen wird das ebene Blech über eine kontrollierte Blechrückhaltung unter Zugkräften über formgebende Werkzeuge gezogen. „Dafür muss die umzuformende Blechplatine größer als die finale Bauteilform sein. Das bedeutet, dass bei der Produktion jedes Bauteils fertigungstechnisch bedingter Materialausschuss entsteht, der in manchen Fällen bis zu 50 Prozent betragen kann.“ Briesenick hat das Tiefziehverfahren „umgedreht“: Beim Tiefdrücken schieben Formelemente das Blech unter Druckkraft endkonturnah in das formgebende Werkzeug. Dafür wird nicht nur weniger Ausgangsmaterial benötigt als beim Tiefziehen, sondern auch weniger Kraft. Noch dazu ermöglicht das neue Verfahren eine präzisere Formgebung durch eine reduzierte Rückfederung des höchstfesten Stahlblechs.

Experimente zum Tiefdrücken

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Von der Grundlagenforschung zum Technologietransfer

Materialeinsparungen und Energieeffizienz: Das neue Verfahren punktet gleich doppelt in Sachen Nachhaltigkeit. „Angesichts knapper Rohstoffe und hoher Energiepreise ist das Tiefdrücken für die Industrie auch aus Kostengründen spannend“, sagt Briesenick, der die Entwicklung des patentierten Verfahrens am Institut für Umformtechnik (IFU) seit 2019 von Null auf begleitet hat. „Am Anfang stand die Grundlagenforschung und Erprobung im Labormaßstab.“ Inzwischen hat das IFU eine Transferkooperation mit einem Unternehmen vertraglich vereinbart. Hier soll der Technologiereifegrad des Verfahrens durch die Erprobung in der Praxis gesteigert werden.

Die Auszeichnung mit dem Südwestmetallpreis verdeutlicht die Praxisrelevanz des Verfahrens noch einmal. „Der Preis zeigt mir vor allem, dass die Idee auch außerhalb der Fach-Community Anklang findet. Gleichzeitig bestätigt er, dass die Weiterentwicklung klassischer Fertigungsverfahren einen großen Hebel für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz bietet“, sagt David Briesenick.

Erfolgreich promoviert – fit für die Industrie

David Briesenicks Begeisterung für sein eher „exotisches“ Fachgebiet wurde im Masterstudium „Fahrzeug- und Motorentechnik“ an der Universität Stuttgart geweckt. „Eigentlich wollte ich in die Motorenentwicklung. Aber dann habe ich durch die Vorlesungen über den Karosseriebau bei Prof. Liewald am Institut für Umformtechnik die Faszination für die Produktionstechnik und die Gestaltungsmöglichkeiten durch Umformen für mich entdeckt.“

Nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Dissertation – die Arbeit wurde mit summa cum laude bewertet – zog es David Briesenick in die Industrie. Er will noch einmal in neue Themen eintauchen und arbeitet inzwischen als Entwicklungsleiter bei einem mittelständischen Unternehmen für Umformtechnik. „Die Umformtechnik ist eine relativ kleine Fach-Community, aber unsere Expertise ist in der Industrie stark gefragt – der Bedarf an Fachkräften ist da!“

Ausgezeichnete Forscher*innen

Kontakt

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Lena Jauernig

 

Redakteurin Wissenschaftskommunikation / Wissenschaftlicher Nachwuchs

 

Hochschulkommunikation

Keplerstraße 7, 70174 Stuttgart

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